In der Praxis entsteht Braille-Schrift auf Schildern oft aus einfachen Schriftarten statt aus Regeln — mit spürbaren Folgen: Zeilenabstände und Punktgrößen weichen von Normen und Vorgaben ab. So fehlt oft das Zahlzeichen und Lautgruppen werden nicht eingesetzt oder erkannt. Wer die Punkte selbst nicht lesen kann, bemerkt solche Fehler nicht — weder bei der Herstellung noch bei der Abnahme. Genau hier setzt das Werkzeug an: Es berechnet die Punktschrift aus dem Regelwerk, nicht aus einer Schriftdatei.
Braille-Schrift lässt sich nicht auf einen Blick prüfen, wenn man sie nicht lesen kann. Darum übersetzt das Werkzeug jede Ausgabe sofort zurück in Text und vergleicht das Ergebnis mit der Eingabe. Stimmen Ausgabe und Eingabe nicht überein, steht das direkt unter den Zellen, mit der abweichenden Rückschrift. So lässt sich ein Schild auch ohne Brailleschrift-Kenntnisse gegenprüfen.
Die Belegungen sind aus dem System der deutschen Brailleschrift (BSKDL, 2. Auflage 2021) abgeschrieben, mit Kapitel und Seite an jedem Eintrag, aber noch nicht fachlich abgenommen. Gelb ist, was ein Automatismus hinzufügt und niemand tippt: Lautgruppen, Zahlzeichen, Aufhebungspunkt und die Ankündigungszellen der mehrzelligen Zeichen. Ein Buchstabe bleibt grau, auch an einer Fuge.
Was die Engine beim Setzen tut, und woher die Regel stammt. Die Beispiele rechnet die Engine beim Öffnen — sie zeigen den Stand, nicht eine Absicht. Jede Regel nennt ihre Stelle im Regelwerk oder sagt, dass sie offen ist.
Ein Tipp vorweg: Schreib den Text gemischt und nur Abkürzungen groß — Eingang CH, Bahnhof ZOB. Das Schild wird versal, aber die Engine erkennt so, was buchstabiert wird und keine Lautgruppe bekommt. Ganz groß getippt kann sie das nicht sehen.
Wo eine Lautgruppe nicht greift, obwohl die Buchstaben nebeneinanderstehen. Die Engine erkennt Wortfugen über Fugenmuster; eine Trennmarke im Text sperrt eine Stelle von Hand.
Wörter, bei denen die Muster schweigen oder danebenliegen. Ein Eintrag hier hat Vorrang.
Beispiele, wie sie auf Schildern vorkommen. Die Ausgabe rechnet die Engine beim Öffnen. Geprüft heißt: eine Fachperson hat diese Ausgabe gegen Norm oder Regelwerk abgenommen; ab dann ist sie eine Vorschrift.
Simon Renner, Lenaustraße 14, 70193 Stuttgart, hello@alltag.studio
Der Braille-Setzer ist ein freies Werkzeug im Aufbau. Seine Regeln sind aus dem System der deutschen Brailleschrift (BSKDL, 2021) und der DIN 32986 abgeschrieben, aber fachlich nicht abgenommen. Was er ausgibt, ist ein Vorschlag, keine geprüfte Vorlage: vor der Fertigung gehört jede Beschriftung von einer Fachperson für Brailleschrift geprüft. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und die Folgen der Nutzung übernehmen wir keine Gewähr.
Die Fugenmuster der Engine (engine/braille-fugen.js) stammen aus liblouis, Datei tables/de-g1-core-patterns.dic, gepflegt von der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, Zürich. Sie stehen unter der GNU Lesser General Public License 2.1 oder später und werden unverändert verwendet; Quelle github.com/liblouis/liblouis, Lizenztext in docs/LIZENZ-LGPL-2.1.txt.
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